Die IHK berichtet über Duschkraft.

 

Idee macht Schimmel den Garaus

Start-Up aus Rostock tüftelte in 37 Dusch-Stunden an Luftentfeuchter

Von Sabine Zinzgraf

Viele kennen es: Ein Familienmitglied hat geduscht, Spiegel und Fenster sind beschlagen, der nächste lüftet und es wird kalt, schlimmstenfalls bildet sich nach und nach Schimmel. Das ärgert viele. Ein Problem, das sich lösen lässt, jedenfalls wenn es nach Stefan Goletzke, David Bredt und Arvid Reinwaldt geht.

Die drei Absolventen der Universität Rostock haben zwei Jahre an einem innovativen Luftentfeuchter getüftelt. Dabei stand für sie im Vordergrund, gesundheitsgefährdenden Schimmel, der sich im Bad durch unzureichendes oder falsches Lüften bildet, zu vermeiden. „Wenn Sie fünf Minuten duschen, entstehen dadurch 200 Milliliter Wasserdampf.

Die Feuchtigkeit lässt sich nur durch Stoßlüften aus dem Bad transportieren, wodurch aber auch wertvolle Wärmeenergie entweicht “, weiß Stefan Goletzke. Er ist kaufmännischer Leiter des dreiköpfigen Start-Ups. Das hat den Luftentfeuchter „Duschkraft“ entwickelt. Dieser macht sich die Kondensation an kalten Oberflächen zunutze: „Feuchtigkeit setzt sich in der Dusche immer an der kalten Seite des Wasserhahns ab. Mit unserem Gerät vergrößern wir einfach diese Fläche“, erklärt Goletzke.

Dazu fließt das etwa zehn Grad Celsius kalte Wasser aus dem Hahn in den Wärmetauscher des „Duschkraft“-Kastens. Beim Duschen zieht ein Ventilator den entstehenden Wasserdampf zum Luftentfeuchter. Dort kondensiert der Dampf und tropft ab. Dadurch wiederum erhöht sich die Wassertemperatur im Gerät um fünf Grad Celsius. Das Wasser wird zurück in die Mischbatterie geleitet und fließt von da zur Duschbrause. Somit kann der Verbrauch von Warmwasser reduziert. Betriebswirt Goletzke nennt die wirtschaftlichen Vorteile: „Beim Duschvorgang wird die Luftfeuchtigkeit um 65 Prozent reduziert und 0,2 Kilowattstunden Wärmeenergie werden zurückgewonnen.“

Neben der Ersparnis sind auch die gesundheitlichen Vorteile nicht zu unterschätzen: Sporen im Schimmel können Asthma oder Allergien auslösen, eine hohe Luftfeuchtigkeit fördert die Schimmelbildung. Die drei Jungunternehmer sind sicher, dass die Kunden auf ein Produkt wie „Duschkraft“ gewartet haben. Schon jetzt verzeichnen sie eine große Nachfrage nach ihrer Erfindung, die sie sich derzeit patentieren lassen. Bis das Produkt serienreif war, ist viel Wasser in der Klimakammer des Fraunhofer-Instituts geflossen, Stefan Goletzke: „Wir haben 74 Versuche bei 37 Stunden reiner Duschdauer durchgeführt und dabei zwölf verschiedene Prototypen getestet, unterstützt wurden sie bei ihrem Vorhaben von Martin-Christoph Wanner, Professor für Fertigungstechnik am Fraunhofer-Institut, und vom Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) an der Universität Rostock. Beim Ideenwettbewerben hat das Trio mit seiner Produktidee Preise gewonnen, beim IHK-Technologieabend präsentierten die drei Tüftler ihre Idee ebenso wie auf der Messe RoBau.

Ab April können Pilotkunden das Produkt testen, das ab Oktober auch im Handel erhältlich sein soll. Kosten: Zwischen 700 und 1.500 Euro - für weniger Dampf und Schimmel und mehr Harmonie im Bad.