Start-up Duschkraft beginnt mit Serienproduktion / Junge Internet-Firmen verändern auch den Matratzenhandel.

Ein Bericht von Gerald Kleine Wördemann und Marc Niedzolka

Rostock: Start-up-Firmen wollen jetzt auch Bad und Schlafzimmer erobern. Der Matratzenhandel verändert sich gerade dank neuer Online-Anbieter. Und in Rostock bringt das neue Unternehmen Duschkraft mehr Komfort in die Badezimmer:

Die drei Gründer Stefan Goletzke (30), David Bredt (29) und Arvid Reinwaldt (30) haben ein Dusch-System entwickelt, das noch während das Wasser läuft, die Luft im Badezimmer entfeuchtet. Schimmelnde Fugen und beschlagene Spiegel soll es nicht mehr geben.

Im Oktober beginnt die Serienproduktion, bis dahin wollen die Tüftler 30 ihrer bügelbrettgroßen Wandgeräte in einer Vorserie montieren – um Erfahrungen zu gewinnen. Die Komponenten kommen aus ganz Deutschland, montiert werden sie in Rostock. „Wir haben bereits 400 Vorbestellungen“, sagt Geschäftführer Stefan Goletzke. Zunächst wollen die Unternehmer, die als Studenten der Uni Rostock begannen, ihr Produkt selbst vermarkten, später soll es im Handel zu kaufen sein.

Zurzeit läuft die Zulassung als weltweites Patent. Noch besteht die Firma aus vier Vollzeit- und zwei Teilzeit-Mitarbeitern, die drei Gründer mitgerechnet. Wenn es mehr zu tun gibt, helfen Studenten von der Uni mit, zu der es nach wie vor enge Kontakte gibt.

Ohne staatliche Unterstützung hätten es die Duschkraft-Gründer möglicherweise nie so weit geschafft: Ihren Produktionsstandort am Rostocker Werftdreieck finanzierte größtenteils die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft des Landes, die sich mit 360000 Euro am Unternehmen beteiligte. Schon als Studenten profitieren sie von einer Unterstützung mit mehr als 200000 Euro durch Gründerprogramme, die teilweise noch laufen. In einer weiteren Finanzierungsrunde sucht Duschkraft weitere Investoren für den Ausbau der Firma.

Dank der Rostocker Jung-Unternehmer könnte es in vielen Badezimmern bald anders aussehen. Im Schlafzimmer sind andere Start-ups schon einen Schritt weiter: Der Matratzenkauf im Internet wächst seit Jahren. Sogar erfolgreiche Hollywood-Schauspieler investieren inzwischen Millionen in das Geschäft. Start-ups wie Emma oder Casper, die ihre Ware vor allem online vertreiben, sei es gelungen, den Matratzenkauf „sexy“ zu machen, sagt Ulrich Leifeld vom Fachverband der Matratzen-Industrie.

Innerhalb weniger Jahre konnten sich die Start-ups nach Schätzungen des Verbandes in Deutschland einen Marktanteil von zehn Prozent sichern. Die Kaufhäuser verlören dagegen für den Matratzenvertrieb an Bedeutung.

Das Ende 2015 gegründete Frankfurter Start-up Emma verkaufte seit der Firmengründung europaweit bereits mehr als 120000 Matratzen. Deutschland sei der größte Markt. Seit September 2017 können die Matratzen auch beim Discounter Matratzen Concord gekauft werden.

Das US-Start-up Casper, das auch in Deutschland aktiv ist, nennt keine Zahlen. Man sei „zufrieden“ mit der Entwicklung, heißt es. Zu den Geldgebern der New Yorker Firma gehören die Schauspieler Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire sowie bekannte US-Musiker wie Adam Levine und 50 Cent.

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